Interview
04.03.2015

»Man entwickelt sich weiter!«

Stephanie Rose über die Neufassung zu »Ein Licht in der Dunkelheit«

von Josefine Gottwald
Stephanie Rose war schon als Kind fasziniert von Mythen und fantastischen Geschichten. In ihrer Schulzeit schrieb sie Gedichte und Liebesgeschichten über die Elemente. Im Alter von 22 veröffentlichte sie ihr Debüt »Ein Licht in der Dunkelheit« bei einem Dessauer Zuschussverlag. Jetzt hat sie sich entschieden, neue Wege zu beschreiten.

Romantisch und kreativ: Stephanie Rose erfindet seit ihrer Kindheit fantastische Geschichten (Foto: Jörg Seeberger)Warum hast du dich entschieden, deinen Erstling beim Das Neue Licht Verlag nach fünf Jahren neu aufzulegen?

Stephanie Rose: Das Angebot des Verlags war einfach besser als bei dem alten. Ich wusste, dass ich gerne noch eine Fortsetzung schreiben würde, und wollte das Ganze dann auch einheitlich gestalten. Außerdem bin ich sehr perfektionistisch – leider ein Faible, das nicht jeder teilt (lacht); und nach so langer Zeit war es mir ein großes Bedürfnis, das Buch sorgfältig in Sachen Text zu überarbeiten. Man entwickelt sich einfach weiter.

Was hat sich an dem Werk seit der Erstausgabe verändert?

Stephanie Rose: Verändert hat sich einiges, vor allem stilistisch habe ich das Buch komplett überarbeitet und in meinen Augen verbessert. Die Erstausgabe habe ich mit 16 Jahren begonnen zu schreiben. In zehn Jahren tut sich da doch so einiges, was Stilistik und Ausdruck angeht, wenn man sich regelmäßig mit dem Thema beschäftigt. Auch der Name des Hauptcharakters hat sich verändert, da mir im Laufe der Jahre klar geworden war, dass er nicht zu den übrigen Charakteren passte. Und natürlich gibt es nun die Fortsetzung, wobei das keine Veränderung, sondern eine Erweiterung darstellt!

Was bedeutete die Geschichte von »Ein Licht in der Dunkelheit« damals für dich, als du die erste Fassung geschrieben hast?

Stephanie Rose: »Ein Licht in der Dunkelheit« hat mich in seiner Entstehungszeit regelrecht verfolgt, wirklich! Alles hat begonnen, als ich kurz vor den Abschlussprüfungen der Realschule stand. Eine Geschichte hatte sich in meinem Kopf festgesetzt, eine Geschichte um ein Mädchen mit schneeweißen Haaren – irgendwie liebe ich weiße, lange Haare total! (lacht) Die Geschichte hat sich ohne mein Zutun in meinem Kopf immer weiterentwickelt. Das ist letztlich so schlimm geworden, dass ich mich nicht mehr auf meine Prüfungen konzentrieren konnte. Also habe ich begonnen, das Ganze aufzuschreiben, um es aus meinem Kopf zu kriegen. Ich habe die ersten 20 Seiten auf einem A4-Block wieder und wieder geschrieben und ausgebessert und das über mehrere Monate, bis ich mich schließlich, nachdem die Prüfungen vorbei waren, tiefgehender damit beschäftigt habe. Dann kam die Idee mit den Wächtern dazu und so ging es immer weiter …

Du schreibst über Licht und Dunkelheit, die Magie der Elemente und immer wieder die Liebe. Sind das die Themen, die dich besonders faszinieren und nicht mehr loslassen?

Stephanie Rose: Du hast es auf den Punkt gebracht. Ich liebe diese Themen total! Mir fehlt etwas in dieser Welt: Alles wird immer schnelllebiger und Dinge, die früher wichtig waren, verlieren heute immer mehr an Bedeutung. Zum Beispiel Begriffe wie Ehre und Aufrichtigkeit. Ich kann meine Gefühle schlecht in Worten ausdrücken, aber seit ich denken kann, haben mich diese Themen fasziniert. Was aber der Grund für diese Faszination ist, kann ich nicht sagen. Vielleicht, weil ich auf der Suche nach etwas bin, etwas Vergessenem … Ich versuche mal, es an einem Beispiel zu erklären: Ich war früher nie ein Fan von Sailor Moon (die Animeserie kennen viele sicherlich vom Hörensagen), aber meiner Schwester zuliebe habe ich es mit angeschaut. Irgendwann kam eine Folge, wo es um mich geschehen war: Es ging um einen Herzkristall der Hauptfigur Bunny, der von ihren Gegenern gestohlen wurde, weil diese dachten, er wäre einer der magischen Talismane, die sie zum Heiligen Gral führen würden. Es stellte sich heraus, dass das nicht so war, Bunnys Herz war einfach reiner und heller als andere – solche Motive liebe ich einfach! Seither suche ich speziell nach tiefgründigen, gefühlvollen Stoffen, zum Beispiel in Filmen und Serien, aber leider gibt es davon nicht sehr viele, die mir zusagen …

Die Emotionalität spielt eine zentrale Rolle in deinen Werken. Bist du selbst auch ein empfindsamer Mensch oder verarbeitest damit deine Erfahrungen?

Stephanie Rose: Ich würde mich schon als sehr emotional bezeichnen, aber ich zeige meine Gefühle ungern nach außen und behalte sie lieber für mich. Es gibt den einen oder anderen Punkt in meinen Geschichten, den ich in ähnlicher Weise selbst erlebt habe. Welche das genau sind, bleiben allerdings mein Geheimnis (grinst). Ich schreibe aber deswegen diese Art Geschichten, weil ich die Themen einfach liebe und sie etwas in mir berühren.

Auf dem Cover zu »Ein Licht in der Dunkelheit« sieht man die Hauptfiguren Elea und Lauren. Wer hat die beiden gezeichnet und wie kam es zur Zusammenarbeit?

Stephanie Rose: Öffnet externen Link in neuem FensterIsis Sousa, eine sehr gute Freundin, hat bereits die Cover für meine »Tränen der Einhörner«-Trilogie gestaltet. Ich finde, sie beherrscht ihr Handwerk umwerfend, und der Verlag arbeitet auch sehr gern mit ihr zusammen. Ich bin wirklich glücklich, dass ich sie für dieses Projekt begeistern konnte!

 »Ein Licht in der Dunkelheit«, Stephanie Roses Erstlingswerk, erscheint jetzt überarbeitet im neuen Verlag (Bild: Isis Sousa, Das Neue Licht Verlag)

Kannst du schon etwas über die Fortsetzung des Buchs erzählen? Wie ist dort der Status?

Stephanie Rose: Die Veröffentlichung ist noch für das erste Quartal 2015 geplant, das Buch habe ich schon komplett fertig und es befindet sich gerade in der Gestaltung. Ursprünglich hatte ich »Ein Licht in der Dunkelheit« gar nicht als Mehrteiler geplant, sondern das Ende eher offengelassen, damit sich der Leser selbst eine Geschichte überlegen kann, ob und wie es weitergehen könnte. An und für sich kann man den ersten Teil trotzdem als abgeschlossen betrachten, wer sich allerdings dafür interessiert, was danach mit den Charakteren passiert, der sollte auf jeden Fall die Fortsetzung ins Auge fassen. Mit Teil 2 (»Wege des Schicksals«) ist die Geschichte dann aber abgeschlossen.

Deine Fantasy-Trilogie »Die Tränen der Einhörner«, die zuletzt erschien, wird derzeit auch ins Englische übersetzt. Wie kam es dazu und weißt du schon, wo es dann veröffentlicht wird?

Stephanie Rose: Der Das Neue Licht Verlag übersetzt selber gar keine Bücher, daher habe ich darum gebeten, dieses Projekt auf eigene Faust angehen zu dürfen. Da ich aber nicht nur die Übersetzung, sondern auch alles andere, inklusive Design und Vermarktung, organisiere, sind im Moment noch nicht alle Details entschieden. Ich würde zum Beispiel sehr gerne eine richtige Printausgabe haben und nicht nur eine Ebook-Erscheinung – ich brauche einfach echte Bücher, man muss sie in der Hand halten können, das Papier riechen. Ich bin ein großer Verfechter »echter« Bücher!

Was hat dich angeregt, das Abenteuer der Übersetzung auf dich zu nehmen?

Stephanie Rose: Für mich ist es inzwischen selbstverständlich, Filme und Serien auf Englisch anzusehen. Daher war es schon immer mein Traum, mein Buch in englischer Sprache in Händen zu halten, auch weil ich viele englischsprachige Freunde habe, die es gerne lesen würden. Das hat seine Vor-, wie auch Nachteile, weil man alle Kosten selbst tragen muss, auf der anderen Seite aber auch viel mehr vom Gewinn hat.

Könntest du dir vorstellen, künftig im Selfpublishing-Bereich mehr Erfahrungen zu sammeln?

Stephanie Rose: Ja, auf jeden Fall! Ich glaube, zukünftige Projekte – egal in welcher Sprache – werde ich vielleicht auch als Selfpublisher herausbringen. Es hat einfach sehr viele Vorteile, auf diese Weise zu veröffentlichen – zum Beispiel kann einem keiner reinreden, was Design und Layout angeht, und ich kann meinen Perfektionismus ausleben! (grinst)

Du hast mehrere Jobs und bist neben dem Schreiben auch noch fleißig am Bloggen. Würdest du dir mehr Zeit für deine Bücher wünschen? Oder brauchst du den Ausgleich im Job auch für deine Kreativität?

Stephanie Rose: Ich muss ehrlich sagen, dass ich mich hin- und hergerissen fühle. Neben dem Schreiben zeichne ich auch sehr gerne und in meiner teils doch knappen Freizeit muss ich immer abwägen, womit ich mich nun beschäftigen werde. Ich habe mir auch schonmal überlegt, mich nur auf eines zu konzentrieren, aber das hab ich nicht übers Herz gebracht! Wie sicher viele Autoren, glaube ich, es ist durchaus ein erstrebenswertes Ziel, zumindest teilweise vom Verdienst durch den Buchverkauf zu leben, aber die Realität sieht da doch anders aus. Der Autor bekommt vom Kuchen am allerwenigsten ab. Wenn man dann mal hochrechnet, wie viele Bücher verkauft werden müssten, um davon leben zu können, merkt man sehr schnell, dass die Vorstellung utopisch ist. Zumindest als Noname-Autor. Auch, weil einen die Buchhandlungen nicht unterstützen wollen, wenn man unbekannt ist. Heutzutage sind nur noch der Name und die damit verbundene Zugkraft, beziehungsweise der daraus resultierende Umsatz, entscheidend. Die meisten wollen nicht einmal kostenlose Leseproben auslegen. Meine Erfahrungen haben mich also gelehrt, das Schreiben weiterhin als Hobby zu betreiben, auch wenn ich mir zukünftig gern noch mehr wünschen würde!

Da wünschen wir bestmögliche Erfolge! Vielen Dank!

 

Linktipp mit Leseproben: Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://www.stephanie-rose.de/

 


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